FFF: Solange streiken wie nötig

Im Interview verrät die 15-jährige Johanna aus Köln, warum sie sich bei Fridays for Future engagiert, was jede_r Einzelne gegen den Klimawandel tun kann und was sie sich von Seiten der Politik wünscht.

Gletscher schmelzen, Wälder werden gerodet und es gibt Plastikberge soweit das Auge reicht. Die Schüler_innen und Student_innen von Fridays for Future finden: jetzt ist es an der Politik, zu handeln. Dafür gehen sie freitags auf die Straße. So auch Johanna, die findet: Jede_r kann etwas tun, aber große Veränderungen müssen von Politik_erinnen vorangetrieben werden.

Was hat dich dazu bewogen, dich bei Fridays for Future zu engagieren?
Klimaschutz war schon immer ein wichtiges Thema für mich und ich finde, dass es wichtig ist, nicht nur sein eigenes Verhalten klimafreundlicher zu gestalten, sondern auch auf die Straße zu gehen, um seine Meinung zu sagen. Dass wir während der Schulzeit demonstrieren, also streiken erhöht den Druck auf die Politik und das ist auch nötig! Denn die Politik hat nicht mehr viel Zeit, sie muss jetzt schnell handeln. Es bleibt keine Zeit mehr für uns, zuerst unsere Schule zu beenden. Wir müssen auf die Straße gehen, denn das ist unser einziges Mittel, den Politiker_innen klar zu zeigen, was wir wollen. So erhält man Aufmerksamkeit für ein Thema, und da die meisten von uns noch nicht wählen dürfen, sind Demonstrationen die einzige Möglichkeit.

Die Debatte dreht sich gerade viel ums Schwänzen von Unterricht oder Uni, einige Schüler_innen berichten davon, dass ihnen von den Schulen Geldbußen angedroht wurden. Ist das in deiner Stadt auch ein Problem?
Von den Androhungen habe ich auch etwas gelesen/gehört, aber bisher glücklicherweise noch von niemandem, der die Geldstrafe wirklich zahlen musste. Falls es doch dazu kommen sollte, kann der-/diejenige zum Plenum kommen (wöchentliches Planungstreffen) und dann wird die Geldbuße von uns gemeinsam als fff-Köln gezahlt. Niemand soll die Strafe aus eigener Tasche zahlen müssen.

Erfährst du an deiner Schule Repressionen, weil du freitags demonstrierst?
Bisher habe ich außer unentschuldigten Fehlstunden (noch) keine Repressionen erfahren. Es kommt immer darauf an, wie die Lehrer_innen damit umgehen, ob man nur Fehlstunden aufgeschrieben bekommt oder mehr. Bei mir ist es bisher zum Glück noch nicht problematisch geworden.
Wenn man das erste Mal auf eine fff-Demo geht, kann man auch eine Befreiung beantragen. Ansonsten besteht die Möglichkeit, als Klasse / Kurs im Rahmen einer Exkursion eine Demo zu besuchen. Das sind natürlich eher einmalige Sachen, aber einem bleiben ein paar Fehlstunden erspart und man mobilisiert neue Menschen.

Für alle, die die letzten Wochen nicht im Internet waren: was fordert Fridays for Future? Und was habt ihr schon alles erreicht?
Grundsätzlich fordern wir die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens und damit zusammenhängend die Einhaltung des 1,5°-Ziels.
Am 8. April (2019) haben wir ein Forderungspapier veröffentlicht. Wir fordern für Deutschland den Kohleausstieg bis spätestens 2030, sowie Nettonull und eine 100%ige erneuerbare Energieversorgung bis 2035. Außerdem fordern wir bis Ende diesen Jahres / 2019 das Ende der Subventionen für fossile Energieträger, eine Steuer auf alle  Treibhausgasemissionen und, dass ein Viertel der Kohlekraft abgeschaltet wird (siehe fridaysforfuture.de/forderungen/).
Dies sind die bundesweiten Grundsatzforderungen, also unser Minimum an Forderungen. Einige Ortsgruppen haben auch noch andere Forderungen, die teilweise eher ihre Umgebung betreffen bzw. über die Grundsatzforderungen hinausgehen.
Was wir erreicht haben, ist, denke ich zunächst, dass die Aufmerksamkeit endlich auf das wichtigste Thema der momentanen Zeit - die Klimakrise - gerichtet wurde. Außerdem befassen sich viele Schüler_innen, die bei fff aktiv sind, mit ihrem eigenen Verhalten. Leider hat die Politik bisher noch nicht genug unternommen, also müssen wir weiter streiken, demonstrieren und für unsere Zukunft kämpfen.

Was müssten Politiker_innen in deinen Augen anders machen? Und was wünschst du dir für Reaktionen, abgesehen von Lob oder Kritik,  von ihnen?
Ich wünsche mir, dass die Politiker_innen endlich einsehen, wie dringend es ist zu handeln. Manche Politiker_innen müssten sich einfach mal mehr trauen, und einige Dinge müssten viel viel schneller passieren, als es momentan der Fall ist. Es wäre toll und notwendig zu sehen, dass die Politik nicht die wirtschaftlichen Interessen über die Interessen der Menschen stellt. Denn das ist leider viel zu häufig Realität. Einige Politiker_innen haben scheinbar immer noch nicht realisiert, dass der Klimawandel eine Klimakrise ist. Eine Krise, gegen die sie etwas tun müssen.
Es ist ja schön und gut, wenn uns einige Politiker_innen loben, aber dieses Lob wird ohne damit zusammenhängende Handlungen nichts bewirken. Es wirkt eher wie ein nicht ganz ernst gemeintes Tätscheln auf den Kopf. Und die Politiker_innen, die immer noch übers Schwänzen reden, sollten sich mal überlegen, was relevanter für unsere Zukunft ist: 6 Stunden Unterricht pro Woche (die wir nachholen!) oder eine lebenswerte Zukunft!? Meiner Meinung nach wollen die Politiker_innen, die uns als Schwänzer bezeichnen einfach nur vom eigentlichen Thema ablenken. Das ist echt schade, denn sie könnten auch ihre Zeit damit verbringen, eine gute Klimapolitik zu machen.
Die Politik MUSS handeln, und zwar JETZT!

Fridays for Future ist in den letzten Wochen und Monaten ziemlich groß geworden. Was braucht die Bewegung deiner Meinung nach, um auch langfristig etwas zu bewirken?
Wir werden so lange streiken, wie es nötig ist. Also solange, bis die Politiker_innen endlich handeln.
Um langfristig etwas zu bewirken, müssen wir meiner Meinung nach weiterhin zeigen, dass wir es ernst meinen. Wir dürfen uns auf keinen Fall einschüchtern lassen und uns auch nicht mit kleinen Zwischenerfolgen zufrieden geben, sondern müssen immer weiter kämpfen. Ich schätze, dass die Bewegung auch weiterhin wachsen wird, weil immer mehr Menschen bemerken werden, dass die Klimakrise SIE betrifft und dass die Zeit verdammt knapp ist.
Wir haben auch viele Unterstützer_innen aus anderen Generationen, wie z.B. Parents For Future oder Scientists For Future dazugewonnen. Wenn auch Wissenschaftler_innen sagen, dass wir Recht haben und die Politik trotzdem nicht reagiert, ist das echt unglaublich schade.

Hat dein Engagement bei Fridays for Future deinen Alltag verändert? Was machst du neben deinem Engagement dort noch gegen den Klimawandel?
FFF ist eine tolle Möglichkeit, endlich mit einer großen Menge an Menschen, über die ganze Welt verteilt der Politik zu sagen: So geht es nicht weiter!
In gewisser Weise hat es auch meinen Alltag verändert. Zwar habe ich mich vorher schon viel mit dem Thema auseinandergesetzt, jedoch lernt man durch FFF auch Gleichgesinnte kennen und kann sich gegenseitig Tipps geben. So lernt jede_r neue Dinge, die er/sie (im Alltag) ändern kann. FFF ist ein Anlass, Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass Klimaschutz dringend notwendig ist. Sowohl in der Politik als auch im Alltag.
Seit ich 13 bin (also seit fast 3 Jahren) ernähre ich mich vegetarisch und davor habe ich auch nur sehr selten Fleisch gegessen. Anstelle von Milch verwende ich meistens Hafermilch. Unser Stromanbieter ist „greenpeace-energy“, also besteht unser Strom aus erneuerbaren Energien, und ich versuche auch generell im Alltag Energie zu sparen. Ich bin noch nie geflogen und fahre mit dem Bus oder dem Fahrrad zur Schule. Generell versuche ich, Dinge zu recyceln und möglichst wenig Einweg-Plastik zu benutzen. Auch kleinere Dinge wie z.B., dass ich eine Metall-Flasche und eine Brotdose benutze, anstatt jeden Tag eine neue Plastikflasche mitzunehmen, machen meinen Alltag klimafreundlicher. Wenn ich Dinge aussortiere, die aber noch zu gebrauchen sind, spende ich sie an Second-Hand Läden. Ich möchte versuchen, noch mehr darauf zu achten, nachhaltige Kleidung zu kaufen (z.B. auf Flohmärkten).

Und was sind deine Tipps für Menschen, die etwas gegen den Klimawandel tun wollen?
Jede_r kann...
- versuchen, weniger (Einweg-)Plastik zu verwenden (Stoffbeutel anstatt Plastiktüten, wiederverwendbare Getränkebecher, Trinkflaschen aus Metall/Glas, Brotdosen.
- weniger Fleisch / tierische Produkte konsumieren (z.B. Hafermilch anstatt Milch).
- ein Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel anstelle eines Autos benutzen.
- weniger / nicht mehr fliegen.
- weniger (neu produzierte) Kleidung kaufen. Stattdessen sollte man sich vor dem Kauf genau überlegen, ob man das Produkt wirklich braucht / haben möchte und es auch tragen wird. Alternativ kann man auch in Second-Hand Läden oder auf Flohmärkten einkaufen oder z.B. mit Freunden Kleidung tauschen. Dadurch entsteht weniger Müll, und es muss weniger produziert werden. Zusätzlich spart man oft Geld. Es gibt auch Labels, die ihre Kleidung fair produzieren und dabei sowohl auf den ökologischen Aspekt als auch auf faire Arbeitsbedingungen achten (z.B. CHNGE). Am besten ist es jedoch, Second-Hand Kleidung zu kaufen, da diese ja bereits produziert wurde oder aus seiner eigenen Kleidung etwas Neues zu machen („Upcycling“).
- im Alltag Energie sparen (Licht aus etc.).
- Energie aus regenerativen Energien beziehen, indem man zu einem Energieanbieter wechselt, der dies anbietet.
- (mehr) Bio-Lebensmittel kaufen.
- sich informieren, ob es Unverpackt-Läden in der Nähe gibt. Das sind Läden, in denen man mit seinen eigenen Behältern einkaufen gehen kann. Es entsteht also kein unnötiger Verpackungsmüll. Falls es keine Unverpackt-Läden in der Nähe gibt, kann man auch versuchen, bei anderen Läden z.B. auf die Tüte verzichten oder sich bewusst für die unverpackte Frucht entscheiden und nicht die eingeschweißte kaufen.
- Metall-Stohhalme anstelle der Strohhalme aus Plastik verwenden. Und so weiter.

Generell ist es wichtig, sich mit seinem Konsumverhalten auseinanderzusetzen, sich über viele Dinge zu informieren und dann zu schauen, wie jede_r einzelne seinen Alltag klimafreundlicher gestalten kann. Meiner Meinung nach ist es wichtiger, dass viele Leute viele (kleine) Dinge an ihrem Verhalten ändern, als dass es ein paar Menschen gibt, die sich perfekt vegan ernähren oder komplett „zero-waste“ leben. Natürlich ist es toll, wenn Menschen dies hinbekommen und glücklich damit leben können, aber letztendlich ist es ausschlaggebender, wenn eine ganze Gesellschaft langsam ihr Verhalten ändert.
Für viele Dinge muss die Politik aber auch zunächst die Vorraussetzungen schaffen. Und selbst wenn sich viele Menschen klimafreundlicher verhalten, liegt es immer noch in der Hand der Politiker_innen, grundsätzliche Dinge zu verändern und Dinge wie den Kohleausstieg schnell zu regeln.

Vielen Dank für das Interview!

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Autorin / Autor: Karla Groth / Johanna Bodemer
 
 

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