Brötchen, Äpfel, Kartoffeln: Ein Ausflug mit Foodsharing

Jedes Jahr werden in Deutschland mehrere Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Foodsharing setzt sich dagegen ein und rettet das eine oder andere Brot vor der Tonne.

11. März 2019
Erste Station: Die Abholung

Mit Wanderrucksack, Satteltasche, Beuteln und Eimern ausgerüstet mache ich mich auf den Weg. Was klingt, als hätte ich einen langen Urlaub vor mir, ist in Wahrheit meine lang erprobte Retterinnen- Ausrüstung. ;-)
Damit bewaffnet starte ich meinen Ausflug zu einem Supermarkt. Gemeinsam mit einer anderen Foodsaverin hole ich dort die Lebensmittel ab, die der Betrieb sonst wegwerfen würde. Heute haben wir Glück: es sind „nur“ ein paar Brote, Kartoffeln und Äpfel, die der Laden nicht mehr verkaufen kann.
Das ist nicht immer so, teilweise enden die Abholungen mit einem schwer beladenen Fahrrad, mit eimerweise Orangen, Suppe, Salat, belegten Brötchen oder Lebkuchen. Eben alles, was wegen einer kleinen Schönheitsmacke, dem Ende der Weihnachtszeit, oder dem Wunsch nach frischem Brot nicht mehr verkauft wird, aber noch nicht verdorben ist.

Verdorben oder nur 'ne Schramme, das ist hier die Frage
Wenn sich Betriebe nicht gerade dazu entschließen, die Lebensmittel an die Tafel oder andere Organisationen zu spenden, landen sie bisher in Deutschland meistens: Auf der Müllkippe. 18 Millionen Tonnen Lebensmittel werden laut WWF jährlich in Deutschland weggeworfen.
Das sind mehr Nahrungsmittel, als ich mir überhaupt vorstellen kann. Wir Endverbraucher_innen, die Produzent_innen – und eben die Supermärkte, Cafés und Bäckereien schmeißen Tag für Tag Nahrungsmittel weg. Klar, schimmeliges Obst oder ranzige Butter gehört unbedingt in den Müll. Aber was ist mit dem Rest? Um wenigstens ein paar der Lebensmittel vor diesem Schicksal zu bewahren, bin ich Teil von Foodsharing geworden.
Der Verein hat es sich zum Ziel gemacht, gegen diese Lebensmittelverschwendung anzugehen und holt bei Supermärkten, Bäckereien, Cafés aber auch Events die Lebensmittel ab, die noch genießbar sind, aber nicht mehr unbedingt verkauft werden können oder sollen. Anders als in Frankreich oder Tschechien gibt es in Deutschland nämlich leider noch kein Gesetz, das es Supermärkten verbieten würde, Lebensmittel wegzuwerfen.

Noch gut, schimmelig, noch gut...
Und was alles entsorgt wird, ist wirklich erstaunlich. Manchmal kann ich darüber nur den Kopf schütteln: Mal hat eine Gurke eine Schramme, mal ist eine einzelne Orange im Netz nicht mehr gut, und das ganze Netz wird weggeworfen. Viele der Lebensmittel würden vielleicht keinen Schönheitswettbewerb gewinnen, sind deswegen aber noch lange nicht schlecht. Trotzdem haben die Sachen in der Auslage der Geschäfte schlechte Chancen. Das kennen vermutlich viele: die schrumpelige Paprika lässt man dann doch öfter mal links liegen, auch wenn sie am selben Tag verbraucht werden soll.
Bei manchen Supermärkten trennen die sogenannten Foodsaver_innen diese Sachen schon vor Ort von denen, die wirklich schon verfault oder sonst wie ungenießbar sind. Schließlich soll sich auch niemand an den geretteten Lebensmitteln den Magen verderben. Auch Lebensmittel, bei denen das "Zu verbrauchen bis" Datum (nicht zu verwechseln mit dem dehnbareren Mindesthaltbarkeitsdatum) überschritten ist, sollten tatsächlich besser in die Tonne wandern.

Zweite Station: Fairteilen
Sobald die Lebensmittel in meinem Rucksack und auf dem Fahrrad verstaut sind, geht die zweite Etappe des Foodsavings los - das Verteilen. An Tagen wie heute ist das einfach: Meine WG oder ein paar Freund_innen, die einen Laib Brot haben wollen, finden sich schnell. Bei größeren Mengen gibt es die verschiedensten Abnahmestellen. In Bonn, wo ich wohne, sind das vor allem Vereine und Organisationen, die Lebensmittel an Menschen mit wenig Geld verteilen und sich immer über eine Lebensmittelspende  freuen. Außerdem gibt es regelmäßig eine Küfa (Küche für alle), zu der jede_r kommen und gegen eine Spende essen kann.
Und sonst gibt es auch immer noch die sogenannten „Fairteiler“. Das sind quasi Verschenk-Boxen für Lebensmittel. Jede_r kann etwas hineintun oder sich daran bedienen. Bei den Fairteilern handelt es sich um Schränke, Boxen oder Kühlschränke, die an öffentlichen Orten stehen. Man findet sie ganz einfach über die Foodsharing Internetseite.

Den eigenen Sinnen trauen
Über die Brote, die ich heute abgeholt habe, freuen sich meine Mitbewohnerinnen. Bevor ich die Sachen bei uns in die WG-Küche stelle, gehe ich sicher, dass kein Schimmel daran ist. Denn sobald der Supermarkt mir eine handvoll Kartoffeln, ein Brot oder einen Apfel überlässt, bin ich die stolze Besitzerin dieser Lebensmittel und gebe sie dann auch auf eigene Verantwortung ab. Sollte ich aus Versehen schlechte Lebensmittel an jemanden verschenken, könnte mich die Person im schlimmsten Fall verklagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert ist bei Freund_innen zum Glück sehr gering. ;-) Und ein paar einfache Tricks, um zu gucken, ob Lebensmittel noch gut sind, gibt es ja zum Glück auch: An den Sachen riechen, sie genau anschauen und zunächst nur eine kleine Ecke probieren, wenn man sich nicht sicher ist, hilft oftmals schon. Das sind ein paar einfache Regeln, die auf alle möglichen Lebensmittel angewendet werden können. Das gilt auch für den Joghurt, der zu Hause schon eine Weile im Kühlschrank steht, oder den Farmersalat, bei dem das Mindesthaltbarkeitsdatum eventuell schon überschritten ist. So erkennt man schnell, ob man sich akribisch an das angegebene Datum halten, oder die Sachen vielleicht auch noch ein paar Tage danach essen kann, ohne umzukippen.

Was kann ich tun?
Über die Internetseite von Foodhsharing kann jede_r Lebensmittel abgeben, die sie oder er nicht mehr haben will oder die sogenannten Essenskörber abholen. Wer mehr machen möchte, kann das Foodsaver_innen Quiz machen und sich danach für Betriebe bewerben und bei ihnen Essen abholen und weiterverteilen.

Informieren und mitmachen

Autorin / Autor: Karla Groth - Stand: 21. März 2019
 
 

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