Die Qual der Wahl

Forschung: Warum es uns schwerfällt, aus vielen Optionen zu wählen

Die Wahl zu haben, welchen Film man sich anschaut, welche Hose man kauft, mit welchen Leuten man sich treffen will, das ist für die meisten Menschen ein gutes Gefühl. Ein Symbol für Freiheit und Autonomie. Wenn die Auswahl jedoch ins Unermessliche steigt, wie zum Beispiel beim Online-Shopping oder bei Streaming-Portalen, kommt man schnell ins Schleudern. Aus so vielen Möglichkeiten und Optionen eine Auswahl zu treffen, konfrontiert viele mit dem sogenannten "lähmenden Paradoxon", eben sich nicht mehr entscheiden zu können. Thomas Saltsman, Doktorand an der University at Buffalo und Professor Mark Seery haben dieses Phänomen genauer untersucht und beschreiben es so: "Du willst eine gute Wahl treffen, aber du hast das Gefühl, dass du es nicht kannst. Diese Kombination aus der Wahrnehmung vieler Möglichkeiten und geringer Fähigkeiten kann zu einer tief sitzenden Angst beitragen, dass man unweigerlich die falsche Wahl trifft, was den Entscheidungsprozess ersticken kann."

Und was soll man nun tun, wenn man sich nicht entscheiden kann? Um das scheinbar Unbeherrschbare zu bewältigen, sagt Saltsman, solle man sich klarmachen, in welchem Zusammenhang die anstehende Entscheidung stehe. Schließlich sei die falsche Menü-Wahl auf einer Speisekarte oder die Entscheidung für einen unpassenden Film nicht ausschlaggebend für die eigene Identität. Gerate man in solche Situationen, könne es helfen, sich vorher ein paar klare Regeln zu setzen und sich zum Beispiel zu fragen, was man von einer gewünschten Option tatsächlich erwarte. "Dies kann nicht nur dazu beitragen, die Auswahlmöglichkeiten zu reduzieren und etwas von der Liste zu streichen, was nicht zu den Erwartungen passt, sondern es verstärkt auch das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, eine Wahl zu treffen, die den eigenen Bedürfnissen entspricht".

Überforderung durch zu viele Möglichkeiten
Schon frühere Forschungen hatten gezeigt, welche negativen Auswirkungen diese Entscheidungs-Überforderung haben kann. Die aktuelle Studie befasste sich nun aber mit zwei Motivationsfaktoren: Wie wertvoll ist die Entscheidung für jemanden und inwieweit sehen sich die Menschen in der Lage, eine gute Wahl zu treffen.

"Wir lieben es, diese Wahl treffen zu können, aber wenn wir tatsächlich vor diesen unzähligen Optionen stehen, geht der ganze Prozess nach hinten los", erklärt Seery. "Die Forschung zeigt, dass die Menschen ihre Entscheidung in diesen Fällen oft bedauern." Dieses innewohnende Paradoxon, Entscheidungen zu mögen und sie dann aber als Last zu empfinden, geschehe fast gleichzeitig. Dieser Übergang sei faszinierend, so der Psychologe.

In ihrer Forschung mit 500 Teilnehmer_innen untersuchten sie die Herzfrequenzen der Proband_innen, während sie aus einem Dating-Portal mit fiktiven Profilen die für sie ideale_n Partner_in heraussuchen sollten. Die Ergebnisse zeigten, dass man sowohl an den Herzfrequenzen als auch an den Blutgefäßen der Teilnehmer_innen ablesen konnte, welche Überforderung mit einer großen Anzahl von Auswahl-Profilen einhergeht. Nahmen sich die Proband_innen allerdings mehr Zeit für die Entscheidung, veränderten sich die Werte.

Obwohl noch zusätzliche Forschungen nötig seien, könne die Studie dabei helfen, den Zusammenhang zwischen Entscheidungsstress und negativen Ergebnissen zu verstehen, ist sich Saltsman sicher.

Die Ergebnisse werden in der Zeitschrift Biological Psychology veröffentlicht.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 19. Juni 2019
 
 

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