Lokale Ernährung schont das Klima

Forschung: 19 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen des Ernährungssystems werden durch den Transport verursacht

Argentinisches Rindfleisch, Avocados aus Mexiko und im Winter Erdbeeren aus Israel, weil wir den Sommer nicht abwarten können. Lebensmittel werden oft um die ganze Welt geschippert, bevor sie bei uns auf dem Teller landen. Forschende der University of Sydney haben herausgefunden, dass 19 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen des Ernährungssystems durch den Transport verursacht werden. Dieser Wert ist bis zu siebenmal höher als bisher angenommen und übersteigt bei weitem die Transportemissionen anderer Güter. Zum Beispiel macht der Verkehr nur sieben Prozent der Emissionen von Industrie und Versorgungsunternehmen aus. Beim Lebensmitteltransport fällt ins Gewicht, dass hier in den meisten Fällen die Temperatur kontrolliert werden muss, so dass hier höhere Emissionen anfallen als bei anderen Gütern.

Wohlhabende Länder verursachen fast die Häfte der Emmissionen im Lebensmitteltransport

Insbesondere die wohlhabenden Länder tragen überproportional zu diesen hohen Emissionen durch den Transport bei. Länder wie die Vereinigten Staaten, Deutschland, Frankreich und Japan machen zwar nur 12,5 Prozent der Weltbevölkerung aus, verursachen jedoch fast die Hälfte (46 Prozent) der Emissionen im internationalen Lebensmitteltransport.

Während bisher in der Forschung das Augenmerk vor allem auf den hohen Emissionen lag, die mit tierischen Lebensmitteln im Vergleich zu pflanzlichen verbunden sind, haben die Forschenden nun unter die Lupe genommen, welche Rolle die Herkunft von Lebensmitteln spielt. Dabei kommen auch Obst und Gemüse nicht mehr ganz so gut weg. Der Transport von Obst und Gemüse verursacht nämlich fast doppelt so viele Emissionen wie die Produktion. Obst und Gemüse machen zusammen mehr als ein Drittel der Transportemissionen von Lebensmitteln aus.

Lokale Ernährung könnte Emmissionen der Ernährungssysteme stark verringern

Die Forscher_innen berechneten, wie sich die Emissionen verringern würden, wenn sich die Weltbevölkerung nur lokal ernähren würde: 0,38 Gigatonnen, was den Emissionen entspricht, die entstehen, wenn eine Tonne 6.000 mal zur Sonne und zurück gefahren wird. Auch wenn dieses Szenario nicht realistisch ist - allein schon, weil sich viele Regionen gar nicht selbst mit Lebensmitteln versorgen können, gäbe es hier jede Menge Einsparpotenzial. So könnte eine stadtnahe Landwirtschaft für kürzere Transportwege sorgen. Abgesehen davon könnten reichere Länder ihre Emissionen beim Lebensmitteltransport durch verschiedene Mechanismen verringern. Dazu gehören saubere Energiequellen für Fahrzeuge und Anreize für Lebensmittelunternehmen, weniger emissionsintensive Produktions- und Vertriebsmethoden zu verwenden, wie z. B. natürliche Kühlmittel.

Auch wir Verbraucher_innen können dazu beitragen, schließlich wird das Angebot von der Nachfrage bestimmt. Wenn wir uns stärker saisonal ernähren und uns abgewöhnen, im Winter Erdbeeren und Tomaten zu essen, wenn wir auf heimischen Apfelsaft umsteigen, statt ständig Kokos-Mango-Smoothies zu schlürfen und pflanzliche Produkte aus lokaler Produktion bevorzugen (Hirse statt Quinoa, Leinsamen statt Chiasamen, Heidelbeeren statt Aronia usw.), wäre schon viel getan. Also ab in die Büsche und Bäume, jetzt sind die Heidelbeeren und Kirschen reif und die sind wahrlich das reinste Superfood und wachsen bei euch um die Ecke.

Die Studie wurde im Fachmagazin Nature Food veröffentlicht.

Quelle:

Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 22. Juni 2022